Systemische Therapie was bedeutet das?
Systemische Therapie ist eine Form der Psychotherapie, die den Fokus schwerpunktmäßig auf die Beziehungen und das soziale Umfeld des Menschen legt. Diese Therapieform geht davon aus, dass psychische Probleme nicht nur isoliert, im einzelnen Menschen entstehen, sondern oft durch Interaktionen, Kommunikation und Muster innerhalb von Systemen wie Familie, Partnerschaft oder auch Arbeit entscheidend beeinflusst werden.
Ziel der systemischen Therapie ist es, diese Muster und Strukturen zu erkennen und zu verändern, um Lösungen für die Herausforderungen des Einzelnen zu finden. Sie wird oft als Gespräch durchgeführt, in das alle relevanten Personen einbezogen werden können, wie zum Beispiel Familienmitglieder oder Partner*innen.
Alle Formen der systemischen Therapie, wie Familientherapie oder lösungsorientierte Therapie, gehen davon aus, dass Menschen die Lösungen für ihre Schwierigkeiten und Probleme bereits in sich tragen. Es gilt diese zu erkennen und nutzbar zu machen.
Die systemische Beratung und Therapie betont die Stärken und Ressourcen des Gegenübers und arbeitet auch direkt mit Lösungen, anstatt sich im Schwerpunkt auf Probleme und deren Ursachen zu konzentrieren.
Was ist mit Ressourcenorientierung gemeint?
Ressourcenorientierung meint hier, dass in der Beratung und Therapie der Blick auf die vorhandenen Stärken, Fähigkeiten und Potenziale gerichtet wird, anstatt auf Defizite oder Schwächen. Es geht darum, das zu nutzen, was eine Person, eine Familie, ein Team oder eine Organisation bereits gut kann, um darauf aufzubauen und passende Lösungen für Schwierigkeiten und Probleme zu entwickeln.
Die ressourcenorientierte Perspektive bezieht soziale Beziehungen, Fähigkeiten, Interessen und Erfahrungen ein, um positive Veränderungen zu fördern.
Insgesamt schärft die Ressourcenorientierung einen optimistischen Blick auf die individuellen oder gemeinsamen Möglichkeiten und setzt auf deren Aktivierung, um Fortschritte zu erzielen.
Ressourcenorientierung ist der Sichtweise von Aaron Antonovsky sehr nahe. Er befasste sich mit einer Veränderung der Blickrichtung weg von der Entstehung von Krankheiten und Leid (Pathogenese) hin zur Erforschung der Entstehung von Gesundheit und Wohlbefinden (Salutogenese).
Was meint Lösungsorientierung in Beratung und Therapie?
Die lösungsorientierte Beratung/Therapie ist ein oft kurzer, pragmatischer Ansatz in der systemischen Psychotherapie, der sich ebenfalls auf die Stärken und Ressourcen der Klient*innen konzentriert, anstatt tief in die Ursachen von Problemen einzutauchen. Ziel ist es, konkrete Lösungen für die aktuellen Herausforderungen des Menschen zu finden und so Veränderungen zu bewirken.
Im Gegensatz zu traditionellen Therapieansätzen, die oft die Vergangenheit und die Ursprünge von Problemen betonen, richtet sich die lösungsorientierte Therapie stark auf die Gegenwart und Zukunft. Es geht darum, wie Menschen ihre Probleme aktiv angehen und Lösungen finden können, die für sie funktionieren.
Zentrale Prinzipien der lösungsorientierten Beratung und Therapie:
1.Ressourcenorientierung: Der Fokus liegt auf den bereits vorhandenen Stärken und Fähigkeiten des Menschen. Der Therapeut/die Therapeutin hilft dem Gegenüber, diese zu erkennen und zu nutzen, um Lösungen zu entwickeln.
2.Zukunftsorientierung: Anstatt die Ursachen eines Problems in der Vergangenheit zu suchen, konzentriert sich die Beratung und Therapie darauf, wie der/die Klient*in sich eine positive Zukunft vorstellt und wie er dorthin gelangen kann.
3.Klarheit über Ziele: Ein wichtiger Teil der lösungsorientierten Beratung und Therapie ist, dass der/die Klient*in klare und erreichbare Ziele für die Veränderung definiert. Diese Ziele werden im Laufe der Beratung bzw. Therapie konkretisiert.
4.Kleine Schritte: Es wird in kleinen, erreichbaren Schritten gearbeitet, die helfen, Fortschritte zu sehen und Motivation zu entwickeln. Selbst kleine Erfolge werden als wichtige Fortschritte gewürdigt.
5.Fragen als Werkzeug: Der Therapeut/die Therapeutin stellt gezielte, lösungsfokussierte Fragen, die dazu anregen, über Möglichkeiten nachzudenken, wie er seine Herausforderungen angehen kann. Beispiele für solche Fragen sind:
o „Wann haben Sie das Problem das letzte Mal anders erlebt?“
o „Was hat Ihnen in der Vergangenheit geholfen, ähnliche Probleme zu bewältigen?“
o „Wie würde Ihr Leben aussehen, wenn das Problem gelöst wäre?“
6.Optimismus und Zuversicht: Der Ansatz geht davon aus, dass Menschen in der Lage sind, Lösungen zu finden, und dass sie schon Ressourcen besitzen, die sie in die richtige Richtung lenken können. Der Therapeut/die Therapeutin fördert diese Zuversicht.
Die lösungsorientierte Beratung und Therapie ist besonders geeignet für Menschen, die schnelle Veränderungen anstreben oder an spezifischen Problemen arbeiten möchten, wie zum Beispiel bei Angststörungen, Depressionen, Beziehungsproblemen oder beruflichen Schwierigkeiten. Sie kann auch in Kombination mit anderen Therapieformen angewendet werden, um Menschen zu helfen, aktiv Lösungen zu entwickeln.
Wichtige Prinzipien der systemischen Therapie sind demnach:
1.Zirkularität: In einem System beeinflussen sich die Mitglieder gegenseitig in einem Kreis. Wenn sich das Verhalten einer Person ändert, verändert das auch das Verhalten der anderen und führt zu neuen Dynamiken.
2.Ressourcenorientierung: Der Therapeut arbeitet mit den vorhandenen Ressourcen der Person oder des Systems, anstatt sich ausschließlich auf das Problem zu konzentrieren.
3.Lösungsorientierung: Die Therapie ist stärker auf Lösungen ausgerichtet als auf die Ursachen von Problemen. Es wird darauf hingearbeitet, wie positive Veränderungen im System
herbeigeführt werden können.
4.Neutralität des Therapeuten: Der Therapeut nimmt keine Seite in Konflikten innerhalb des Systems. Er oder sie hilft dabei, Perspektiven zu erweitern und verschiedene Sichtweisen zu verstehen.
5.Kommunikationsmuster: Ein Fokus liegt darauf, wie Kommunikation innerhalb des Systems funktioniert und wie Missverständnisse oder unklare Signale zu Problemen führen können.
Systemische Therapie wird oft bei Familientherapien, Paarberatung und in der Arbeit mit Gruppen angewendet. Sie kann aber auch in Form von Einzeltherapien angewendet werden.
Im Einzel- oder Gruppengespräch und mit geeigneten Übungen, wird daran gearbeitet bestehende Kommunikations- und Verhaltensmuster zu verändern und Lösungen für akute Probleme zu finden und umzusetzen.
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